Wenn der Kostendruck steigt, wird gerne nach den naheliegenden Lösungen gesucht. Kurzfristige Einsparpotentiale müssen her, damit die Bilanz schnell wieder ausgeglichen ist. Ein gängiges Ziel für den Rotstift sind die Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für die eigenen Mitarbeiter. Einer Umfrage des VDI Wissensforums zufolge planen mehr als 30 % der Unternehmen mit Hinweis auf die Krise in diesem Jahr weniger oder keine Maßnahmen ein.
Da passt das Ergebnis der Umfrage der German Consulting Group gut ins Bild, dass 80 % der von ihr befragten Führungskräfte ihre Mitarbeiter regelmäßig in Seminare schicken, mehr als 60 % aber keine Weiterentwicklung und damit keinen Mehrwert für das Unternehmen sähen.
So kommt es, dass in konjunkturell schwächeren Zeiten die Trainings- und Weiterbildungsmaßnahmen in den Betrieben rückläufig sind. Das spart zwar kurzfristig Kosten ein, schwächt mittel- und langfristig jedoch die Wettbewerbsposition des Unternehmens auf dem Markt.
Faktisch kommt die fehlende Weiterbildung nämlich einer “Dequalifizierung” der Mitarbeiter gleich und nicht einem Stillstand auf dem Status quo. In einer Gesellschaft, in der die Relevanz des vorhandenen Wissens immer schneller abnimmt (sogenannte “Halbwertszeit des Wissens”), muss die Anpassung des Wissens an die Erfordernisse kontinuierlich und regelmäßig erfolgen.
Denn das fehlende KnowHow kann mitnichten auf dem Personalmarkt beschafft werden. Der Fachkräftemangel schlägt voll durch, viele Unternehmen können schon seit Monaten bestimmte Schlüsselpositionen nicht besetzen. Ein weiterer Verlust an Wissen durch fehlende Weiterqualifizierung kommt dem sprichwörtlichen Absägen des Astes gleich, auf dem die Unternehmen sitzen.
Was sollen die Unternehmen tun, um einerseits zu sparen sich andererseits aber nicht der Substanz zu berauben?
Finden Sie neue Formen der Weiterbildung! Jeder Ihrer Mitarbeiter hat ein bestimmtes Spezialgebiet, auf dem er oder sie mehr Kenntnisse als der Rest des Teams hat. Lassen Sie reihum die Mitarbeiter Seminare vorbereiten und gegenseitig halten. Oft haben solche hausinternen Schulungen den angenehmen Nebeneffekt, dass sie spezifischer auf die Unternehmensbelange zugeschnitten sind, als externe Standard-Seminare. (Auf Dauer fördern rein intern konzipierte Seminare allerdings den Tunnelblick!)
Wenn Sie externe Seminare buchen, dann schicken Sie nicht alle Mitarbeiter dorthin. Sondern nutzen Sie die Teilnehmer als Multiplikatoren, die im Anschluss an das Seminar den Inhalt in internen Trainings weitergeben.
Lassen Sie Ihre Mitarbeiter den Austausch in Verbänden und Organisationen suchen. Nutzen Sie Netzwerke und die Möglichkeit, über Firmengrenzen hinweg über Herausforderungen und mögliche Lösungen zu sprechen.
Bauen Sie ein Mentoring-Programm auf, in dem erfahrene Mitarbeiter die neuen Kollegen fachlich begleiten und Empfehlungen zur Weiterentwicklung geben. Fordern Sie dabei die Unterstützung der Personalabteilung ein, die auf die didaktischen und lernpädagogischen Aspekte achten soll.
Versuchen Sie, für Mitarbeiter an Schlüsselpositionen einen externen Coach zu finden, der als Sparringspartner zum Ideenaustausch dienen kann. Durch dessen externen Blick ergeben sich in der Regel neue Perspektiven, die die Lösungsfindung beschleunigen.
Kurz, tun Sie alles, um die Effektivität Ihrer Mitarbeiter durch gezielte Weiterbildung zu verbessern und gleichzeitig deren Bindung an Ihr Unternehmen zu festigen. Damit werden Sie die Wettbewerbsfähigkeit langfristig bewahren und Ihre Unternehmensstrategie unterstützen können.
